13.06.13 15:16 Alter: 4 yrs

BioGrenzKorr stellte Ergebnisse vor

 

Die streng geschützte Haselmaus stand im Fokus des INTERREG-Projektes BioGrenzKorr und somit auch vom Abschlussseminar, bei dem die Projektergebnisse interessierten Experten aus Behörden, Universitäten und Forschungseinrichtungen präsentiert wurden. Die Erkenntnisse des sehr umfangreichen Monitorings wurden dabei ebenso thematisiert wie die zahlreichen Artenschutz-Maßnahmen in den Projektgebieten und das Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm.

Haselmaus in Grenzregion (fast) ausgestorben

Die Vermutung der Projektpartner aus Naturstyrelsen Sonderjylland, Fyn, den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dass es um die Haselmaus-Populationen im nördlichen Schleswig-Holstein und Süddänemark schlecht bestellt ist, wurde durch das umfangreiche Monitoring bestätigt. „Die Haselmaus haben wir  in den vergangenen Jahren auf der ganzen deutsch-dänischen Halbinsel nördlich des Nord-Ostsee-Kanals nur noch unmittelbar nördlich der Grenze bei Gravenstein finden können. In den restlichen Regionen, die zu ihrem ehemaligem Vorkommensgebiet gehören, ist sie teils seit langem ausgestorben“, erläuterten Sina Ehlers und Helle Vilhelmsen, die vom Projekt beauftragten Haselmausexpertinnen beider Länder. Das Monitoring hat zudem ergeben, dass es neben der extrem kleinen und vermutlich aussterbenden Population in der Nähe von Gravenstein keine Hinweise auf aktuelle Vorkommen des kleinen Nagetiers gibt.

Damit diese letzte verbliebene Population nicht auch noch ausstirbt wurde im Rahmen des INTERREG-Projektes ein Rettungsplan erstellt. Danach wurden sowohl in dänischen als auch deutschen Waldgebieten, unter anderem in Handewitt, Kluesries und Schäferhaus Nord, Waldränder umgestaltet, Lichtungen geschaffen und Gebüsche angepflanzt, so dass die Haselmäuse hier künftig bessere Lebensbedingungen vorfinden.

Haselmäuse aus Nachzucht sollen wieder angesiedelt werden

Da eine natürliche Wiederbesiedlung auf sehr lange Sicht ausgeschlossen ist, ist der Start eines Zucht- und Wiederansiedlungsprogrammes ebenfalls Teil des internationalen Projektes. Hierfür stand zunächst eine genetische Untersuchung in Zusammenarbeit mit den Genetikexperten der Universität Liège an, die ergab, dass die Populationen in Schleswig-Holstein und Dänemark zwar alle zur Mittel-Osteuropäischen Linie gehören. „Allerdings hat die Untersuchung auch gezeigt, dass die dänischen Tiere sich klar von den Populationen aus dem größeren Verbreitungsgebiet in Ost- und Süd-Ost-Schleswig-Holstein unterscheiden. Einzig die isolierte Aukrug-Population ist recht nahe mit den dänischen Tieren verwandt“, so Dr. Schulz. Somit wurden aus den Populationen auf Fünen und aus dem Aukrug Tiere entnommen. Die "genetisch richtigen" Tiere sollen  - sofern die bisher in Mitteleuropa einzigartige, aber nach britischem Vorbild verlaufende, Zucht erfolgreich verläuft - auf der deutschen Seite wieder angesiedelt werden.

Grenzübergreifende Population ist langfristiges Ziel

Langfristig ist geplant, von den wieder hergestellten deutschen und gegebenenfalls aus gestützten dänischen Populationen einen Ausbreitungsprozess zu initiieren, sodass eine grenzübergreifende Population entsteht. „Die Grundlagen dafür sind mit dem Projekt BioGrenzKorr gelegt. Entsprechende Handlungsanweisungen für die künftige Arbeit werden gerade zusammengetragen“, resümierte der Gesamtprojektleiter Mogens Krog von Naturstyrelsen Fyn. Dazu gehöre auch ein geographisches Habitatmodell. Dieses werde in Zusammenarbeit mit den Modellierungsexperten des Instituts für Tierökologie und Naturbildung um Dr. Markus Dietz und unter Einbindung des internationalen Haselmausexperten Sven Büchner entwickelt. Das Modell soll den Projektpartnern Auskunft darüber geben, wo die besten Ausbreitungswege und Eignungsräume im Projektraum und darüber hinaus sind. Diese Arbeiten laufen noch bis zum Projektende Ende September.